Jede Art der Aussprache hat 

ihren eigenen Charme 

Ein Gespräch mit Franck van der Heijden über Crossover, der Definition guter Musik und dem schnelllebigen Musikmarkt



Every way of pronunciation has it’s own charm
An interview with Franck van der Heijden about Crossover, the definition of good music and the actual music market.
Interview F.v.d. Heijden English.pdf (453.63KB)
Every way of pronunciation has it’s own charm
An interview with Franck van der Heijden about Crossover, the definition of good music and the actual music market.
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V.B.: Lieber Franck, ich freue mich sehr, dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast und wir uns zum Thema „Crossover Musik“, dem Musikmarkt und zur Musik allgemein etwas unterhalten können.  

Franck van der Heijden: Ich freue mich auch.  


V.B.: Zur geschichtlichen Information: Wann und mit wem hat "Crossover" Musik überhaupt begonnen?    

Franck van der Heijden: Crossover Musik geht vermutlich bereits in die 40er Jahre zurück. In den 70ern waren Emerson, Lake und Palmer sehr bekannt. Ich denke, dass dieses Genre seinen Ursprung im Jazz hat, wo die Musiker auf einem klassischen Thema improvisierten. Das kann schon als „Crossover“ bezeichnet werden, aber der Name hat eine viel breitere Bedeutung. Crossover Musik ist eine Mischung aus verschiedenen Stilen. Zum Beispiel Pop gemixt mit Klassik, oder auch ein Symphonischer Sound gemischt mit Afrikanischen oder folkloristischen Klängen.  Vielleicht hat schon Tchaikovsky im Jahr 1812 mit den Kanons in seiner Ouvertüre auf einer ähnlichen Weise herumexperimentiert. Stravinsky oder Bartok haben definitiv sehr viel Volksmusik in ihre Werke integriert. Grundlegend ist auch das eine Form von „Crossover“. In anderen Worten: Es ist schwer zu sagen, wann genau das erste Crossover Projekt in der Musikgeschichte entstanden ist. Fakt ist jedoch, dass das Vermischen und Experimentieren mit verschiedenen Stilen neue Musik hervorbringt. Und das hätte nie passieren können, wenn sich all die konservative Kritik in der Vergangenheit durchgesetzt hätte…  


V.B.: Eines der ersten großen klassischen Crossover Werke war u.a. auch die "Rhapsody in Blue" von George Gershwin?    

Franck van der Heijden: Ja, das stimmt. Aber Gershwin war nicht wirklich ein „klassischer“ Komponist. Er wurde vor allem berühmt durch seine unzähligen Songs und Musicals. Die „Rhapsody in Blue“ war nicht wirklich als klassische Komposition gedacht, fand aber ihren berechtigten Weg in die berühmten Konzertsäle dieser Welt. Sein Klavierkonzert ist mehr „klassisch“ im seriösen Sinne, natürlich in seinem eigenen besonderen Stil mit all den Jazz-Einflüssen.


V.B.: Crossover Musik ist also ein weiter Begriff für das Kombinieren unterschiedlicher musikalischen Stilformen, die sich auf verschiedenste Weise kombinieren lassen und einen neuen Stil dadurch hervorbringen?

Franck van der Heijden: Absolut richtig. Dieses Genre verbindet eine Vielzahl an Stilen. Die Art wie Pat Metheny andere Stilrichtungen in seinen Jazz Improvisationen integriert hat, ist komplett anders als z.B. das Adiemus Projekt.


V.B.: Wann und wie hast du "Crossover Musik" für dich entdeckt und was hat dich dazu bewegt, in diesem Musikbereich zu arrangieren, komponieren und zu produzieren?   

Franck van der Heijden: Da gab es natürlich keinen speziellen Moment. Ich schlug diesen Weg im Laufe eines langen künstlerischen Prozesses ein. Als Kind hörte ich schon allerlei Arten von Crossover, Emerson Lake, Palmer, Ekseption oder Rick Wakemann, obwohl ich zu der Zeit selbst noch keine Musik machte. Ich wuchs zu Hause mit vielen Stilrichtungen auf. Von Klassik, Jazz, bis hin zur Pop Musik. Als ich dann studierte, spielte und schrieb ich überwiegend Jazz Musik für diverse Bands Ensembles. In den späten 80ern hatte ich aber bereits viele Ideen, ein Symphonie Orchester mit Band und volkstümlichem Schlagzeug zu kombinieren. Sogar bevor Hans Zimmer diesen Sound mit seinen ersten Filmkompositionen eingeführt hat. 1995 begann ich für die „Night of the Proms“ zu arrangieren. Das war wahrscheinlich der Moment, wo ich tatsächlich Crossover Musik schrieb. Daraus entstand das, was ich nun fast jeden Tag tue.   

 

V.B.: Als Pianistin, die ursprünglich aus dem reinen Klassikbereich kommt, habe ich sehr oft erlebt, dass Crossover Musik gerade von konservativen Klassikpuristen belächelt und als oberflächliche, geschmacklose „Fahrstuhlmusik" abgetan wird. Da ich ja vor 2 Jahren selbst in diesen Musikbereich eingestiegen bin, weiß ich, dass das nicht so ist und auch Crossover Musik eine hohe musikalische Qualität haben kann. Das beweist sowohl mein damaliger Produzent David Garrett, als auch 2Cellos, die beide aus der Klassik kommen und die ich hervorragend finde. Mich interessiert, wie das Musiker aus dem Jazz-, Filmmusik-, und dem Popbereich sehen. Besteht da die gleiche konservative Haltung wie bei den Klassikpuristen?                        

Franck van der Heijden: Ganz und gar nicht. Obwohl ich in der Jazz Szene hin und wieder eine konservative Haltung gespürt habe, als ich studierte, kann ich sagen, dass gerade in der Pop Musik mit einer anderen Art von Kreativität gearbeitet wird. Dort ist man nicht auf einen Stil begrenzt. Schau dir auch die großen Komponisten der Vergangenheit an. Vor allem im letzten Jahrhundert waren viele der Komponisten vom Jazz beeinflusst. Wenn sie nur dem konservativem Denken beigepflichtet hätten, hätte nie ein kreativer Prozess stattfinden können. Alles dreht sich letzt-endlich um den persönlichen Geschmack. Entweder magst du etwas oder eben nicht. Ich sehe da keine Grenzen in der Musik. Gerade Filmkomponisten müssen in der Lage sein, sich zwischen vielen Stilen zu bewegen und die Stimmung auszuwählen, die für die Bilder und Szenen des Films gebraucht werden. „Crossover“ ist ein weitläufiger Begriff. Er kann klassische Musik in einem neuartigen Arrangement beschreiben oder auch alle anderen Möglichkeiten drumherum. Dafür muss man nicht unbedingt mit einer klassischen Melodie arbeiten. Vielleicht ist es einfach die menschliche Natur des Verstandes, alles in Schubladen und Kategorien zu stecken. Insgesamt, glaube ich, sind es weniger Musiker oder Kritiken speziell, die gegen jegliche Form des Wandels sind und daher auch „Crossover Musik“ hassen, sondern eher eine Art „elitäre" Gesellschaftsgruppe, die sich selbst so sehen. 


V.B.: Es gibt sie tatsächlich, die so genannten Klassikpuristen, die, bevor überhaupt der erste Ton erklingt, schon mit einer kritischen Haltung im Saal sitzen und nur darauf warten, dass der Künstler etwas „falsch" macht. Oft bedeutet das nur, dass er oder sie aus deren geistigen Horizont heraustritt. Diese Pseudo-Intellektualität hat meistens mehr mit Wichtigtuerei, als mit musikalischem Verständnis zu tun und ist überwiegend im deutsch-sprachigen Raum beheimatet.  

Franck van der Heijden: Diese Art der elitären Haltung gibt es fast überall, nicht nur in der Musik. Ein gutes Beispiel ist Joshua Bell, der völlig inkognito in einer New Yorker U-Bahn Station spielte. Niemand, außer ein paar Kinder, nahmen wirklich Notiz von ihm, wahrscheinlich auch die so genannten Kenner nicht. Hätte er exakt das gleiche in einem Konzertsaal gespielt, wären zum Teil die selben Leute, die ihn in der U-Bahn Station ignoriert haben, restlos begeistert gewesen, weil sie dann „Kunst“ angehört hätten, für die sie viel Geld bezahlt haben.  


V.B.: Du bist ja nicht nur Komponist, Arrangeur und Produzent von dem wohl erfolgreichsten Crossover Geiger unserer Zeit, David Garrett, sondern hast ebenso für eine sehr lange Liste von anderen weltbekannten Künstlern Musik arrangiert und geschrieben. Um nur wenige Namen zu nennen, Michael Jackson, Andrea Bocelli, Bonnie Tyler oder David Guetta. Dazu kommt deine langjährige Bühnenerfahrung als Gitarrist, Dirigent und musikalischer Leiter auf weltweiten Konzerten, wo du meistens vor ungefähr 10.000 Menschen auftrittst. Wie reagiert das Publikum auf Crossover Musik? Und vor allem, wie reagieren junge Menschen auf diesen Musik-Mix?  Glaubst du, das Crossover Musik auf dem Musikmarkt auch in der Zukunft Bestand haben wird?  

Franck van der Heijden: Ich denke, Crossover Musik hat ein großes Publikum. Vor allem in Südamerika, Asien und Osteuropa. Wahrscheinlich weil diese Länder etwas weniger von den Europäischen Traditionen der „klassischen“ Musik beeinflusst sind und deshalb eine offenere Haltung haben. Insgesamt glaube ich, dass es keine Rolle spielt, welchen Stil von Musik gespielt wird, solange es mit der richtigen Intention und Leidenschaft getan wird. Danach orientiert sich die Beurteilung eines kleinen, wie großen Publikums. Die übliche Crossover Musik wird mehr von einem etwas älteren Publikum wertgeschätzt. Das hängt natürlich auch vom Künstler ab. Die selben Regeln der Vermarktung innerhalb der Pop Musik gelten genauso in allen anderen Genren. Schaut der Künstler gut aus und hat er ein bestimmtes Charisma, wird er oder sie mit Sicherheit ein größeres Publikum haben. Selbstverständlich ist die Art wie er spielt oder singt genauso wichtig. In den meisten Fällen bestimmen eine Kombination aus unterschiedlichen Faktoren den Erfolg eines Künstlers auf dem Musikmarkt. Die Fähigkeit zur Virtuosität, der entsprechende Look und die Auswahl des Repertoires.  


V.B.: Wenn hierzu der Vorwurf kommt, dass gerade Crossover Musik allein dem Kommerz dient, muss ich aus eigener Erfahrung sagen, dass das oft weniger am Künstler selbst liegt, sondern mehr an der Plattenindustrie und den Akteuren drumherum, die natürlich nur auf den schnellen Massen-Verkauf aus sind. Und dem Musiker manchmal auch einfach keine Zeit mehr bleibt, dem künstlerischen  Prozess seinen notwendigen Eigenlauf zu lassen … Ein falsches, aufgedrücktes Image macht das Ganze dann noch unglaubwürdiger. Nur wenn ein Künstler sich deren bewusst und sicher ist, was er da tut, kann er überzeugen und dem Druck von außen standhalten. Ich finde, Musik sollte vor allem eines sein: Authentisch. Und jeder Künstler sollte den Mut haben, seine eigene Geschichte zu erzählen… Wie siehst du das ? 

Franck van der Heijden: Das ist ein generelles Problem der Musikindustrie heutzutage. Nicht nur Crossover Musik betreffend. Der Markt ist schneller den je zuvor und mit TV Shows wie „The Voice“ zum Beispiel wird es noch schlimmer. Das Publikum hat nicht mal mehr Zeit, sich einen kompletten Song anzuhören. Sondern folgen der Musik nur noch 1,5 bis max. 2 Minuten am Stück. Bei allem, was darüber hinausgeht, sind sie unaufmerksam und wollen etwas anderes hören. Das Image betreffend, ist es für den Künstler wichtig, seinen Style und das, was er tut, persönlich zu reflektieren. Das hilft den Zuschauern, eine Idee vom Genre zu bekommen, als auch eine Meinung über den Künstler zu entwickeln, wodurch er nicht nach 5 Minuten wieder vergessen wird. Je extravaganter und klarer du zum Ausdruck kommst, umso besser ist es - aus der kommerziellen Sicht. Noch vor ein paar Jahren gab es eine interessante Forschung zu Musikhörern. Diese Studie kam zu dem Schluss, dass die meisten Menschen tatsächlich mit ihren Augen „hören". Sogar bei klassischen Musikwettbewerben war die Jury beeinflusst von der visuellen Performance der Teilnehmer. Das sagt genug darüber aus, wie wichtig der Look eines Künstlers ist.  

 

V.B.: Solange der Look authentisch ist und zur Musik und der Person passt, stimme ich dir da völlig zu. Zurück zur Crossover Musik. Ich bin überzeugt, dass durch qualitative Crossover Projekte das Interesse an Genies der Musikgeschichte, wie (z.B.) Bach, Beethoven, Mozart oder Chopin bei Menschen geweckt werden kann, die sonst keine, oder nur wenig klassische Musik hören. Ich beobachte immer öfter, dass die konservative Haltung bei der jüngeren Generation deutlich abnimmt und junge Musiker neugierig und offen für andere Musik Genren und Crossover Projekte sind. Hältst du die Aussage vertretbar, dass Crossover Musik letztendlich auch der klassischen Musik und den sogenannten "Klassikpuristen" zu Gute kommt, weil sie ihnen in vielen Bereichen Popularität verschafft, die sie vorher so nicht hatten?  

Franck: Ich denke, das ist der Fall. David, zum Beispiel, zog viele junge Fans über die Jahre an, die sonst nie in ein klassisches Konzert gegangen wären. Nachdem sie seine Crossover Shows besucht haben, sind viele auch zu seinen klassischen Konzerten gekommen. Wenigstens ein Anfang, um sie zu klassischen Veranstaltungen zu locken. Ich bezweifle, dass sie sich jemals eine 4-5 Stunden lange Wagner Oper anschauen und anhören werden, aber auch manch anderer Musikfreund braucht dafür wahrscheinlich etwas Geduld….  

  

V.B.: Ich persönlich habe durch die Crossover Musik ganz neue künstlerische Anreize entdeckt. Dazu gehört nicht nur die Idee, mehrere Kunstformen showmäßig miteinander zu verbinden, sondern auch ein freieres Denken als Interpretin, sowie die Neugier wieder selbst mehr am Klavier zu improvisieren. Ich hatte das Glück, von hervorragenden Lehrern an den Musikuniversitäten lernen zu dürfen, hatte aber dennoch eine relativ einseitige musikalische Ausbildung, die sich hauptsächlich nur auf das Interpretieren von klassischen Musikwerken beschränkte. Kann Crossover Musik für junge klassische Musiker einen neuen Anreiz bieten, wieder mehr selbst zu improvisieren und eine unentdeckte musikalische Kreativität zu entwickeln ? Gerade weil man in diesem Genre nicht mehr völlig von den großen Idealen der klassischen Kompositionsgeschichte eingeschränkt oder sogar eingeschüchtert ist ?  

Franck van der Heijden: Ja, das ist sicher möglich. Durch unterschiedliche Blickwinkel auf die Musik, das Improvisieren und Experimentieren, bekommst du neue Ideen, wie du ein Stück interpretieren willst. Beethoven z.B. begann seine Kadenzen zu den Konzerten auszuschreiben, da er der Meinung war, dass die meisten anderen Interpreten nicht gut genug improvisieren konnten. Dies wurde zu einem Grundsatz in der klassischen Musik, dass jeder nur genau das zu spielen hat, was im Notentext steht. Alles andere ist eine Gotteslästerung… beinahe so, wie es in Religionen der Fall ist. Das, was in der Bibel steht, ist das einzig Wahre, selbst wenn die Menschen gar nicht wissen, wie, wann und von wem der Inhalt geschrieben wurde. Eine gute Melodie kann auf viele Weisen und in vielen unterschiedlichen Stilen gespielt und arrangiert werden. Die Art, wie Mozart z.B. etwas schrieb, entwickelte sich durch den Stil seiner Zeitepoche. Ich bin sicher, hätte er heute gelebt, würde er wahrscheinlich ähnliche Melodien schreiben, aber in einem anderen Stil. Kurz gesagt, Improvisieren und "über den Tellerrand sehen", hilft einem, ein besserer Musiker, oder zumindest künstlerisch kreativer zu sein. -  Auch beim Interpretieren klassischer Musikstücke, wo der Musiker exakt den geschriebenen Notentext wiedergibt.  

  

V.B.: Edwin Fischer sagte zu Mozart´s Musik einmal: „Man gehe vorteilslos an Mozart´s Werke, imitiere bei den Klavierkompositionen weder Cembalo noch Orchester, sondern erlebe ihn mit Phantasie und Herz. Man lasse jeden Ton klingen und sei frei im "Rahmen des Gesetzes", das ungeschrieben in jedem wahren Musiker lebt.“  Was hältst du von dieser Aussage?  

Franck van der Heijden: Ich stimme dem absolut zu. Ich persönlich sehe nicht ein, warum Musik genau so klingen muss, wie es einst irgendeine dogmatische Kultur beschlossen hat. Musik ist doch nicht nur dann authentisch, wenn du sie auf einem alten Instrument mit all seinen klanglichen Mängeln wiedergibst. Das ist, wie mit einem alten, langsamen Atari Computer zu arbeiten, anstelle der heutigen Systeme. Es gibt natürlich Ausnahmen, gerade im Bereich der Streich-Instrumente. Aber viel wichtiger ist es doch, dass der Interpret die Musik so spielt, wie er sie empfindet und nicht, wie es sein Lehrer oder jemand anders spielen würde. Nur dann ist es möglich, mehr Vielfalt beim Interpretieren eines Musikstücks zu bekommen.  


V.B.: Wären alle Musiker gleich, würde im Prinzip schon einer genügen. Das ist ja gerade das Erschreckende, wenn man sich Musikwettbewerbe oder Studenten an Musikhochschulen anhört. Das professionelle Niveau ist zum Teil extrem hoch, aber man kann die meisten künstlerisch überhaupt nicht voneinander unterscheiden. Gab es in deinem Leben Momente, wo du ein klassisches Musikwerk als „langweilig"  empfunden hast?  

Franck van der Heijden: Wenn das der Fall war, hatte es nicht unbedingt mit der Tatsache zu tun, dass es ein klassisches Stück war. Nicht der Stil an sich war dann langweilig, sondern die Performance selbst. Solche Erlebnisse hatte ich genauso bei Pop-, Jazz,- oder Crossover Musik.  


V.B.: Professionalität ist ohne Frage ein Merkmal guter Musik, aber letztendlich ist es wohl die Individualität und das emotionale „Erleben“ von Musik, nicht allein eine perfekte Reproduktion, die den Zuhörer fesselt und bewegt, egal von welchem Genre wir sprechen. Oder?  

Franck van der Heijden: So ist es. Manchmal ist eine besondere Aufführung mit paar falschen Tönen interessanter als eine perfekte Performance, die nicht den richtigen Spirit hat. Es kommt auf die richtige Energie und das richtige Gefühl an.  


V.B.: Hast du im Laufe deiner Karriere als Produzent einen Unterschied in der Zusammenarbeit mit klassischen Musikern und Künstlern aus anderen Musik-Genren festgestellt?  

Franck van der Heijden: Nicht besonders. Beide musikalischen Welten haben ihre speziellen künstlerischen Bedürfnisse. Ein Pop Künstler hat des öfteren nicht dieselbe Kenntnis über den musikalischen Ausdruck wie ein klassischer Musiker, aber klassische Künstler haben wiederum oft Probleme mit dem musikalischen Timing. 

Ich kann nur sagen, dass viele klassische Dirigenten Crossover,- und Popmusik nicht wirklich ernst nehmen, weil sie meinen, dass das so einfach zu spielen sei. Das ist aber nicht so, denn auch da ist es wichtig, der Musik in jedem Detail volle Aufmerksamkeit zu schenken, wenn es gut werden soll. Da gibt es keinen Unterschied. In meinem Empfinden ist in der Pop-, und Jazz Welt die allgemeine Atmosphäre entspannter. Vielleicht ist das nur so in meinem Kopf, ich weiß jetzt nicht, wie das aktuell der Fall ist.


V.B.: Was steht bei dir als Nächstes an? 

Franck van der Heijden: Momentan sehr viel. Das neue Album von David Garrett, ein Filmtrailer und eine neue Produktion für einen Holländischen Sänger. Ich denke, das könnte ein Hit werden. Ich schreibe gerade noch für ein anderes sehr großes Projekt, über das ich noch nicht sprechen darf und an Musik für Pferdedressur. Ende April bin ich erneut mit David auf Tournee.


V.B.: Abschließend ein schönes Zitat von Sergej Rachmaninov: „Musik muss aus dem Herzen kommen und zu Herzen gehen.“… Gibt es ein Zitat von dir, welches deine Passion als Komponist und Musiker am Besten beschreibt? 

Franck van der Heijden: Musik ist eine Sprache mit vielen Dialekten. Jede Art der Aussprache hat ihren eigenen Charme.


Interview und Übersetzung:  Valentina Babor

Bildquellen: https://www.facebook.com/franck.vanderheijden